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Die eigenen Eltern fotografieren

Hallo zusammen,

ich habe Ende 2015 meine Eltern fotografiert. Oder wie sie es formuliert haben “Wir wurden zwangsbeglückt” :-) so haben sie es zumindest am Anfang wahrgenommen. Ich wusste sie würden nie von sich aus vorschlagen ein Fotoshooting zu haben. Doch als Tochter möchte ich natürlich gerne regelmäßig schöne Fotos von meinen Eltern als Dokumentation der Zeit. So habe ich Erinnerungen aus den verschiedensten Zeiten wenn es sie irgendwann nicht mehr gibt, was hoffentlich noch sehr lange dauert. Außerdem kommt dieses Jahr mein Sohn auf die Welt und ich weiß selbst noch wie spannend es als Kind war die alten Bilder anzusehen, auf denen meine Eltern, Großeltern und deren Geschwister zu sehen sind. Wie sie aussahen bevor es mich gab und in der Zeit, in der ich mich noch nicht an sie erinnern konnte.

Die besondere Herausforderung die eigenen Eltern zu fotografieren

Ich muss zugeben ich war schon nervös meine Eltern zu fotografieren. Natürlich habe ich viele Schnappschüsse auf Familienfeiern oder unseren Urlauben von ihnen gemacht, aber jetzt stand ein Fotoshooting auf sie persönlich zugeschnitten in meinem Studio, an, war für uns als Drei eine Prämiere war.

Bei den Vorbereitungen, kam die Herausforderung, dass sie für ein verlängertes Wochenende mit dem Fernbus zu mir anreisen würden. Daher hatten sie nicht unbegrenzt Platz Kleidungsstücke, Schmuck etc. mit zu bringen. Doch sie haben finde ich eine sehr schöne Auswahl getroffen an Kleidung, die ihnen die Tage in Wien nützlich waren aber auch fototauglich sind.

Ich habe meine Familie das letzte Mal mit Einzelportraits beim 80. Geburtstag meiner Oma fotografiert, da habe ich einen Vorgeschmack bekommen wie es sein wird meine Eltern zu fotografieren. Dies machte mich auch etwas nervös, denn sie alberten rum und hörten mir fast nicht zu. Es ist damals trotzdem ein sehr schönes und authentisches Bild von ihnen entstanden doch einfach war es nicht 😉

Was ich als Herausforderung erwartet habe

  • Überschäumende Energie und Unaufmerksamkeit meiner Mama, verstärkt sich nämlich bei Nervosität.
  • mein Papa der sich nicht auf die Situation einlässt weil er nicht will bzw. sich nicht aus der Reserve locken lässt. Beides führt dazu, dass er zu macht und man nicht hinter die Fassade blicken kann
  • das sie keinen Spaß daran haben weil die Aussage bei meinem Vorschlag von einem Fotoshooting kam “was willst du denn mit Bildern von so alten Menschen, vor 20 Jahren wären wir uns noch geschmeichelt vorgekommen”
  • zwei rumalbernde und turtelnde Eltern, die aber auf keine Anweisung ihrer Tochter hören.

So waren meine schlimmsten Befürchtungen. Doch…

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!

Somit war das Fotoshooting ein Erfolg. Sie hatten beide ihren Spaß. Waren über meinen Service beeindruckt und haben zum ersten Mal meinen täglichen Beruf richtig nachvollziehen können. Es war schön ihre Begeisterung in der Stimme zu hören als sie von ihrem Erlebnis mit mir sprachen.

Was am Ende die tatsächliche Herausforderung für mich wurde

Ich liebe meine Eltern so wie sie sind. Ich sehe keine Kilos zu viel oder sonstige “Mängel” die sie an sich selbst sehen. Als sie die Bilder zur Auswahl gesehen haben fand meine Mama zunächst an den Bilder von meinem Papa viel schneller gefallen und an ihren eigenen hat sie Bemerkungen wie “Ich bin so fett”, “uh die alte runzlige Haut” etc. verwendet. Was mich zunächst schockierte.

Ja natürlich was habe ich erwartet, meine Mama ist eine Frau wie jede andere und die meisten von uns reden leider in solchen Worten mit sich selbst. Doch es schmerzt besonders wenn es die eigene Mama ist, die ihre Schönheit nicht sieht, die ich in ihr sehe. Nämlich eine sprühende Lebensfreude, eine Energie für andere und Begeisterungsfähigkeit für die kleinen Dinge im Leben. Sie hat immer ein offenes Ohr für mich gehabt und mich und meine Freunde und jeden aus unserer Familie mit offenen Armen empfangen.

Ihre Augen leuchten und erzählen eine Geschichte, ihre Hände halten nie still und packen immer mit an. Ihr Körper ist trotz der über 50 Jahre und ersten Zipperleins voller Energie und erstaunlich flexibel.

Am Ende hat sie doch Bilder von sich gefunden, die ihr sehr gut gefallen. Ich wünsche mir, das sie durch die Betrachtung der Bilder vielleicht erkennt was ich in ihr sehe und etwas sanfter mit sich selbst in Zukunft ins Gericht geht.

Liebe Grüße

Elena

Die eigenen Eltern fotografierenelena
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